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Grundsteinlegung

Hallo, Volk!

Hiermit sei der Blog entjungfert. Ich werde ihn hoffentlich regelmäßig füttern, auf dass er wachse und gedeihe

Mein erster Auszug stammt aus der noch recht unbeständigen Autobahn-Geschichte. Vorwissen ist logischerweise nicht erforderlich.

 


 

Der knirschende, kiesberieselte Asphalt.

In der Ferne in den Kuhherden steht der Tau auf den Gräsern und hinterlässt mir den Eindruck einer verstrichenen, kühlen Nacht.

Im Stakkato der vorbeidonnernden LKWs  dreißig Meter neben mir, zwitschern Spatzen und Kohlmeisen auf den künstlich angehauchten Bäumen, die man bestenfalls vor drei oder vier Jahren hier als Verschönerung hingesetzt hat.

Autobahnrastplätze unterscheiden sich von Ost nach West, von Nord nach Süd. Von Bundesland zu Bundesland. Letztendlich sind sie jedoch immer gleich- verdreckt, vollgepfropft mit derselben Scheiße, die in den Toilettenhäuschen mit den roten Ziegelsteinen aus den Klos quillt; neben Wäldern, Feldern, Rindern, Schafen und riesigen Windrädern, die im Stillstand der deutschen, geknechteten Wirtschaft dahinschwingen und davon träumen, Pioniere der alternativen Energiegewinnung zu sein.

 

Denise steht vorne an in der Schlange zur Imbissbude.

Auf manchen Rastplätzen gibt es Bäckerwagen, umfunktionierte, ehemalige Quarkkeulchenwägelchen, die sich nicht halten konnten und, auch wenn man jetzt Streuselschnecken und Mohnkuchen aus ihnen verkauft, noch immer nach erhärtetem, jahrealtem Fett stinken.

Aber das hier ist eine richtige, unverkleidete Imbissbude, mitsamt ihrem ganzen Senf, ihren Currywürsten und ihrem Holsten Pilsener.

Manchmal hat man Glück und bekommt morgens die alten Brötchen von gestern, bereits aufgeschnitten, weil ursprünglich für Bratwurst und Boulette vorgesehen.

 

Denise fährt sich durch das ungewaschene, blonde Haar, nimmt tiefe, unendlich ruhige Züge aus ihrer Zigarette und zerrt den ohnehin bereits ausgeleierten Kragen ihres blauen Shirts über die nackte Schulter. 

Ich betrachte sie mit stillen Gedanken, mich neben der Tür ans Wohnmobil lehnend. Die Morgensonne kitzelt auf der Haut und immer wieder fährt mein linker Fuß aus der Sandale und kratzt mit der großen Zehe an den Mückenstichen am rechten Bein.

So lange, bis es blutet.

 

„Der Wassertank ist leer.“

Es ist nicht, dass er mich erschreckt. Meine Ohren sind schließlich immer auf ihn geheftet.

Und auch wenn er es vielleicht beabsichtigt hat, lautlos einfach neben mir an der Tür aufzutauchen, ich habe Daniel schon lange vorher kommen spüren.

„Ich weiß.“, gebe ich knapp zurück und beobachte Denise weiter.

Sie redet mit dem Imbissbudenmann, legt den Kopf dabei leicht schief und blinzelt, mit der Kippe im Mundwinkel, schelmisch gegen die Morgensonne.

 

„Ja und?“

Daniel folgt meinem Blick nicht.

„Wollt ihr dagegen nichts unternehmen?!“

 

Genau jetzt wünsche ich mir, jemals vom Rauchen abhängig geworden zu sein. All diese Distanz, die man mit der Geste erschafft, mit der man sich eine Zigarette ansteckt, sie zu den Lippen führt, tiefe Züge nimmt...All diese Erhabenheit, die diese Tätigkeit ausmacht kommt bei Denise vollständig zur Geltung, jetzt, da sie die Tüte mit den Brötchen in Empfang nimmt, grinst und mit den Lippen ein lautes „Danke“ formt.

 

„Scheiße!“, wettert Daniel; „Ich muss mir auch mal die Haare waschen, verdammt! Und das Scheiß-Klo kommt auch schon ständig hoch!“

Ich wende den Blick von Denise ab und lasse ihn langsam über die Autobahnfelder bis zu dem Jungengesicht streifen, aus welchem scheinbar Funken abgefeuert werden.

„Stimmt.“, sage ich und spüre, wie ein Mückenstich aufgeht. Diese Wohltat, wenn der Juckreiz zu Schmerz wird..

„Du stinkst nämlich furchtbar.“

In seinem Gesicht formt sich entsetzte Wut.

„Ja, das ist wohl dann nicht meine Schuld, du blöde Kuh!“ , keift er wie ein Waschweib.

Und es stimmt tatsächlich. Die dunkelblonden Haare seiner Emo-Frisur fallen hart halb in sein Gesicht, strähnig und den Rand seiner Brillengläser einfettend.

Genauso widerlich wie alte Brötchen von gestern, die nach Frikadelle und Ketchup stinken. Genauso widerlich wie Autobahnrastplätze.

 

„Du bist ja auch nicht auf Urlaubsreise.“

Ich schaue in den Himmel und fühle gleichzeitig dezent nach, wie fettig sich denn meine Haare anfühlen. Aber es ist, als ob meine Finger im frühen Sonnenschein wie taub geworden sind.

„Als ob ich das vergessen könnte!“, wettert er und hält mir sein von der Wäscheleine wundgescheuertes Handgelenk hin.

 

„Euer Service ist ja auch nicht gerade umwerfend!“

„Hier gibt es auch keinen Service.“, entgegne ich tonlos.

Und dann schaue ich direkt durch Daniels dünne Brillengläser, bis ich beim dreckigen Graugrün dieser Augen angekommen bin;

„Vielleicht solltest du dich mal endlich von der Vorstellung lösen, dass wir dich mitschleppen, weil wir so geil auf dich sind. Nur weil ich dich nicht umgebracht habe, heißt das noch lange nicht, dass ich dich ficken will.“

 

„Ey, so schlimme Worte zu so früher Stunde!“, grunzt Denise als sie das Wohnmobil mit der Brötchentüte erreicht und neben Daniel in den Schatten des Gefährts steigt.

„Da dreht sich mir ja der Magen um!“  Noch in der letzten Silbe kann ich ihr albernes Grinsen hören.

„Wenn man davon absieht, dass mir ohnehin schon kotzübel ist.“

Daniel kickt einen Kiesel zur Seite, mit brachialer Gewalt, die man gebraucht, um Türen aufzutreten, aber keinesfalls um Steinchen zu kicken.

 

Von der Imbissbude her glotzt ein älteres Ehepaar.

Sie trägt ein himmelblaues Kleid mit Hyazinthen drauf und er Kniestrümpfe zu Sandaletten.

Fast zeitgleich tropft ihnen das Fett ihrer Currywürste auf den Kies.
18.1.08 00:12


Das Experiment

Heute Abend ist es soweit und ich werde meine erste Lesung bestreiten. Oh ja, nervös bin ich. Und ja, dies hier ist kurzfristig, aber dennoch vielleicht nicht zu spät. Wer am östlichen Stadtrand Berlins wohnt und heute Abend nochmal Lust hat, vor die Tür zu treten, kann das also gerne tun.
18.1.08 14:32


Update oder: Enter "Bend and Break"

Hallo an alle!

Nachtrag zum 18.01.: Mir hat es sehr gefallen. Für ein Experiment lief die Lesung gut, es war erfrischend und inspirierend. Vielen Dank nochmal an alle, die das möglich gemacht haben und an die, die gekommen sind!

 So.

Lang lang ist´s her, dass ich mich um den Blog kümmern konnte. Die Uni ist in den letzten Wochen vor Ende der Vorlesungszeit immer so fordernd und ungnädig. Ich saß bis zuletzt am Wochenende an einer Buchvorstellung und habe noch ein Referat zu verschriftlichen. Allerdings musste dann gestern doch noch "Spiderman 3" in den DVD-Player. =)

Lange Rede, gar keine Sinn: Ich hab´s endlich geschafft, Bend and Break noch einmal Korrektur zu lesen. Weniger Fehler wird das, fürchte ich, kaum bringen, aber ich habe wenigstens guten Willen bewiesen. Und die Geschichte ist endlich als Ganzes oben und hier in der Navigationsleiste links gar nicht zu übersehen. Da sie insgesamt ein Monster von 18 Word-Seiten war, habe ich sie geteilt um das Lesen zu erleichtern. Viel Spaß!- und was Kritik angeht, ob gut oder schlecht- immer her damit!

29.1.08 19:39





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