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Wermensch

Mondkrank.
Der Schein hält wach,
Die Gedankenflut- hoher Wellengang im Meer der Stille.
Im Meer der Stürme schwappt mein flatternd Herz.
Melodramatik.

Sommeranfang.
Am Fenster stehen und in die halbe Unendlichkeit sehen.
Der Mond hat ein Gesicht, das immertraurige.
Leises Flüstern:
"Du bist so hübsch."

Er spricht nicht.
Doch sein sanftes Sein beruhigt.
Auch wenn er mich nicht schlafen lässt.

Wermensch.

~~~

Der Blog schließt demnächst. Mal sehen, wann ich es endlich auf die Beine gestellt bekomme, mir eine HomePage anzuschaffen.
17.6.08 23:53


Die Stadt, die Verrückte macht.

Hier wohne ich und frage mich, ob diese Stadt vielleicht seit jeher die Menschen in den Wahnsinn getrieben hat, selbst zur Zeit, in der sie noch gar keine Stadt war, sondern ein Dorf, eine Ansammlung von Hütten und Scheunen und Kühen und deren Mist auf den Wegen.

Angeblich soll Berlin ja älter sein als bisher angenommen. In der Zeitung spricht eine junge Archäologin darüber, die sich am Hackeschen Markt beeilen muss, alte Balken aus dem Mittelalter zu datieren, denn sie hält ja den Verkehr und den Bau von Straßen und Parkplätzen auf. Wann auch immer die Siedlung Berlin entstanden ist, es ist über den Daumen gepeilt nun etwa eintausend Jahre her.

Wenn ich mich an die älteste Stelle der Stadt begebe, schaue ich ehrfürchtig an der Nikolaikirche hoch, in der die Geheimnisse in alten Gebeinen und geflüsterten Gebeten hängt, in der es immer kalt ist und morsch riecht. Wenn ich mich auf den alten Molkenmarkt stelle, der dazugehört, werde ich allerdings leider überfahren.

An der Stelle, an der man früher Waren feilbot und Spielmänner schöne Balladen sangen, die Mittelalterbands heute mühsam versuchen nachzuempfinden, an der Stelle, an der man früher vielleicht Dieben die Hand abhackte oder das Augenlicht ausbrannte oder an den Pranger stellte und mit alten Eiern bewarf, fahren heute Autos und lasten schwer auf der Geschichte.

Wenn ich mit der Bahn in die Mitte der Stadt hineinfahre, verändert sich das Bild. Draußen, an den Schienen ist es immer grau und Pflanzen ranken an uralten Zäunen hoch und Müll liegt herum und auf jedem Stromkasten, an dem die Bahn entlangzuckelt, sind Graffitis mit fliegenden, gelben Fäusten. Nein, das meine ich nicht.

Ich meine die Menschen.

Die Stadt macht die Menschen verrückt. Damit meine ich Leute, die kein Zuhause mehr haben und vor Angst und Kälte und Hunger vielleicht schon längst tot sind. Sie starren dich seelenlos an, wenn sie an dir vorbeiziehen und wie Maschinen immer wieder denselben Text herunterbeten, und das immer wieder im selben Ton, der auf derselben Höhe kleben bleibt. „Obdachlos zu sein ist ein hartes Los.“, sagen sie und erwachen erst dann wieder, wenn sie mit ihrem Text fertig sind und sich niemand regt. Sie fluchen und beschimpfen die Menschen neben sich, die so tun als wären sie gar nicht da, als wären sie Luft, als wären sie Moleküle, die sich irgendwann von selbst auflösen und vergehen. Nur geradeaus schauen! Nichts sagen, die Schultern anziehen. Es ist als würden zwei Ebenen wie Klarsichtfolien übereinandergelegt. Die Reichen, die Mittelständischen, denen es in der Seele wehtut, die Armen, die ein bisschen Geld vom Staat empfangen und nicht wissen was sie tun sollen in dieser Situation. Und die Bettler.

Haben sich die Zeiten wirklich geändert?

Die Stadt ist voll von gescheiterten Existenzen, von solchen, die dabei sind zu scheitern und von solchen, die sich um die ersten beiden Gruppen nicht kümmern. Man lebt aneinander vorbei.

Doch was soll man tun, wenn man das dicke Fell nicht hat, an dem Spott und Hohn und Schicksal abgleitet? Ich sage noch immer „Nein, aber danke.“, wenn man mir innerhalb einer halben Stunde zum zehnten Mal ein Zeitungsabo verkaufen will, mich beim Tierschutz und Amnesty International eintragen will. Die Leute laufen mir nach und lassen mich manchmal erst fünf Meter später in Ruhe. Das ist ihr Job, soweit verstehe ich. Aber es ist alles zuviel.

All der Lärm, der dahintersteckt und gar nicht wirklich zu hören ist.

Die Frauen am Alexanderplatz, die immer wieder fragen „Do you speak English?“ und einem beinahe ins Eis spucken, wenn man kein Geld gibt. Die Menschen, die in der selben U-Bahn sitzen und die mechanische Stimme anschreien, die die Stationen ansagt;

„Ich hab gesagt, du sollst die Schnauze halten, du dumme Fotze!“

Die Frau und der Mann im selben Wagon, die mit zehn abgewetzten Tüten hinter einem sitzen und mit quäkenden Stimmen Orgasmen vorspielen, sodass sich alle zu ihnen umdrehen. Der Mann, der über drei Stationen anfängt, einen Monolog darüber zu halten, dass man eine Frau aufs Bett werfen, aber nicht durchficken soll, der immer lauter und wilder wird und schließlich aussteigt und bei dem man hinterher nicht weiß, ob er den Verstand verloren hat oder nur mit dem Entsetzen seiner Mitreisenden spielt. Jugendliche, die sich auf den Bahnhöfen anfangen zu prügeln, Türen der U-Bahn aufreißen, wenn diese schon anfährt.

Ich glaube, all das sind noch harmlose Geschichten. Und doch, zeugen sie nicht vom Wahnwitz der Stadt?

Es ist alles ein bisschen zu hipp und zu trendy, aber auch zu laut, zu kalt und zu dreckig. Das gehört wahrscheinlich dazu, New York und Tokyo und London haben auch diese Ecken. Die Gegensätze heben sich nicht auf, sie klaffen selbst in den starren Gesichtern ihrer Bewohner wie riesige, dunkle Löcher. Man wird zur Masse, verschwimmt mit dem Rest des Stroms zu einem dunklen Fleck, schnell, schnell von A nach B und bloß nicht zu sehr hinschauen, sonst steckt man mittendrin.

Mittendrin im Kuhmist an den Wegesrändern. Seit nahezu eintausend Jahren ist das so.

Ich husche hindurch, immer mit offenen Augen und Ohren und bedaure es, dass es die alten Spielmänner nicht mehr gibt.

27.2.08 00:46


Update oder: Enter "Bend and Break"

Hallo an alle!

Nachtrag zum 18.01.: Mir hat es sehr gefallen. Für ein Experiment lief die Lesung gut, es war erfrischend und inspirierend. Vielen Dank nochmal an alle, die das möglich gemacht haben und an die, die gekommen sind!

 So.

Lang lang ist´s her, dass ich mich um den Blog kümmern konnte. Die Uni ist in den letzten Wochen vor Ende der Vorlesungszeit immer so fordernd und ungnädig. Ich saß bis zuletzt am Wochenende an einer Buchvorstellung und habe noch ein Referat zu verschriftlichen. Allerdings musste dann gestern doch noch "Spiderman 3" in den DVD-Player. =)

Lange Rede, gar keine Sinn: Ich hab´s endlich geschafft, Bend and Break noch einmal Korrektur zu lesen. Weniger Fehler wird das, fürchte ich, kaum bringen, aber ich habe wenigstens guten Willen bewiesen. Und die Geschichte ist endlich als Ganzes oben und hier in der Navigationsleiste links gar nicht zu übersehen. Da sie insgesamt ein Monster von 18 Word-Seiten war, habe ich sie geteilt um das Lesen zu erleichtern. Viel Spaß!- und was Kritik angeht, ob gut oder schlecht- immer her damit!

29.1.08 19:39


Das Experiment

Heute Abend ist es soweit und ich werde meine erste Lesung bestreiten. Oh ja, nervös bin ich. Und ja, dies hier ist kurzfristig, aber dennoch vielleicht nicht zu spät. Wer am östlichen Stadtrand Berlins wohnt und heute Abend nochmal Lust hat, vor die Tür zu treten, kann das also gerne tun.
18.1.08 14:32


Grundsteinlegung

Hallo, Volk!

Hiermit sei der Blog entjungfert. Ich werde ihn hoffentlich regelmäßig füttern, auf dass er wachse und gedeihe

Mein erster Auszug stammt aus der noch recht unbeständigen Autobahn-Geschichte. Vorwissen ist logischerweise nicht erforderlich.

 


 

Der knirschende, kiesberieselte Asphalt.

In der Ferne in den Kuhherden steht der Tau auf den Gräsern und hinterlässt mir den Eindruck einer verstrichenen, kühlen Nacht.

Im Stakkato der vorbeidonnernden LKWs  dreißig Meter neben mir, zwitschern Spatzen und Kohlmeisen auf den künstlich angehauchten Bäumen, die man bestenfalls vor drei oder vier Jahren hier als Verschönerung hingesetzt hat.

Autobahnrastplätze unterscheiden sich von Ost nach West, von Nord nach Süd. Von Bundesland zu Bundesland. Letztendlich sind sie jedoch immer gleich- verdreckt, vollgepfropft mit derselben Scheiße, die in den Toilettenhäuschen mit den roten Ziegelsteinen aus den Klos quillt; neben Wäldern, Feldern, Rindern, Schafen und riesigen Windrädern, die im Stillstand der deutschen, geknechteten Wirtschaft dahinschwingen und davon träumen, Pioniere der alternativen Energiegewinnung zu sein.

 

Denise steht vorne an in der Schlange zur Imbissbude.

Auf manchen Rastplätzen gibt es Bäckerwagen, umfunktionierte, ehemalige Quarkkeulchenwägelchen, die sich nicht halten konnten und, auch wenn man jetzt Streuselschnecken und Mohnkuchen aus ihnen verkauft, noch immer nach erhärtetem, jahrealtem Fett stinken.

Aber das hier ist eine richtige, unverkleidete Imbissbude, mitsamt ihrem ganzen Senf, ihren Currywürsten und ihrem Holsten Pilsener.

Manchmal hat man Glück und bekommt morgens die alten Brötchen von gestern, bereits aufgeschnitten, weil ursprünglich für Bratwurst und Boulette vorgesehen.

 

Denise fährt sich durch das ungewaschene, blonde Haar, nimmt tiefe, unendlich ruhige Züge aus ihrer Zigarette und zerrt den ohnehin bereits ausgeleierten Kragen ihres blauen Shirts über die nackte Schulter. 

Ich betrachte sie mit stillen Gedanken, mich neben der Tür ans Wohnmobil lehnend. Die Morgensonne kitzelt auf der Haut und immer wieder fährt mein linker Fuß aus der Sandale und kratzt mit der großen Zehe an den Mückenstichen am rechten Bein.

So lange, bis es blutet.

 

„Der Wassertank ist leer.“

Es ist nicht, dass er mich erschreckt. Meine Ohren sind schließlich immer auf ihn geheftet.

Und auch wenn er es vielleicht beabsichtigt hat, lautlos einfach neben mir an der Tür aufzutauchen, ich habe Daniel schon lange vorher kommen spüren.

„Ich weiß.“, gebe ich knapp zurück und beobachte Denise weiter.

Sie redet mit dem Imbissbudenmann, legt den Kopf dabei leicht schief und blinzelt, mit der Kippe im Mundwinkel, schelmisch gegen die Morgensonne.

 

„Ja und?“

Daniel folgt meinem Blick nicht.

„Wollt ihr dagegen nichts unternehmen?!“

 

Genau jetzt wünsche ich mir, jemals vom Rauchen abhängig geworden zu sein. All diese Distanz, die man mit der Geste erschafft, mit der man sich eine Zigarette ansteckt, sie zu den Lippen führt, tiefe Züge nimmt...All diese Erhabenheit, die diese Tätigkeit ausmacht kommt bei Denise vollständig zur Geltung, jetzt, da sie die Tüte mit den Brötchen in Empfang nimmt, grinst und mit den Lippen ein lautes „Danke“ formt.

 

„Scheiße!“, wettert Daniel; „Ich muss mir auch mal die Haare waschen, verdammt! Und das Scheiß-Klo kommt auch schon ständig hoch!“

Ich wende den Blick von Denise ab und lasse ihn langsam über die Autobahnfelder bis zu dem Jungengesicht streifen, aus welchem scheinbar Funken abgefeuert werden.

„Stimmt.“, sage ich und spüre, wie ein Mückenstich aufgeht. Diese Wohltat, wenn der Juckreiz zu Schmerz wird..

„Du stinkst nämlich furchtbar.“

In seinem Gesicht formt sich entsetzte Wut.

„Ja, das ist wohl dann nicht meine Schuld, du blöde Kuh!“ , keift er wie ein Waschweib.

Und es stimmt tatsächlich. Die dunkelblonden Haare seiner Emo-Frisur fallen hart halb in sein Gesicht, strähnig und den Rand seiner Brillengläser einfettend.

Genauso widerlich wie alte Brötchen von gestern, die nach Frikadelle und Ketchup stinken. Genauso widerlich wie Autobahnrastplätze.

 

„Du bist ja auch nicht auf Urlaubsreise.“

Ich schaue in den Himmel und fühle gleichzeitig dezent nach, wie fettig sich denn meine Haare anfühlen. Aber es ist, als ob meine Finger im frühen Sonnenschein wie taub geworden sind.

„Als ob ich das vergessen könnte!“, wettert er und hält mir sein von der Wäscheleine wundgescheuertes Handgelenk hin.

 

„Euer Service ist ja auch nicht gerade umwerfend!“

„Hier gibt es auch keinen Service.“, entgegne ich tonlos.

Und dann schaue ich direkt durch Daniels dünne Brillengläser, bis ich beim dreckigen Graugrün dieser Augen angekommen bin;

„Vielleicht solltest du dich mal endlich von der Vorstellung lösen, dass wir dich mitschleppen, weil wir so geil auf dich sind. Nur weil ich dich nicht umgebracht habe, heißt das noch lange nicht, dass ich dich ficken will.“

 

„Ey, so schlimme Worte zu so früher Stunde!“, grunzt Denise als sie das Wohnmobil mit der Brötchentüte erreicht und neben Daniel in den Schatten des Gefährts steigt.

„Da dreht sich mir ja der Magen um!“  Noch in der letzten Silbe kann ich ihr albernes Grinsen hören.

„Wenn man davon absieht, dass mir ohnehin schon kotzübel ist.“

Daniel kickt einen Kiesel zur Seite, mit brachialer Gewalt, die man gebraucht, um Türen aufzutreten, aber keinesfalls um Steinchen zu kicken.

 

Von der Imbissbude her glotzt ein älteres Ehepaar.

Sie trägt ein himmelblaues Kleid mit Hyazinthen drauf und er Kniestrümpfe zu Sandaletten.

Fast zeitgleich tropft ihnen das Fett ihrer Currywürste auf den Kies.
18.1.08 00:12





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